Kabale und Liebe

 

 

   
 
kabale und liebe
 

 

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Pressestimmen

 

 

Gegen Devotismus und Unterdrückung
Theater des Grauens überzeugt mit Schillers Kabale und Liebe
Burghausen. Mit der Tragödie Kabale und Liebe von Friedrich Schiller anlässlich des 200.Todesjahres ist Mario Eick ein großer Wurf gelungen. Mit wenigen kleinen Veränderungen zieht er das Stück textgetreu durch. Die Zustände in den Herzogtümern waren im 18. Jahrhundert geprägt von despotischer Willkür, unterwürfigem Hofschranzentum, Mätressenwirtschaft und Unterdrückung der unteren Stände, die in der Tatsache gipfelten, dass die Söhne des Landes zur Deckung der Schulden zwangsweise nach Amerika verkauft wurden. Die französische Revolution 1789 mit ihrem Ruf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für alle Menschen hatte den Fürsten Angst gemacht. Umso stärker war die Unterdrückung jeglichen Aufmuckens. Schiller schrieb dieses Stück 1783 - gerade 24 Jahre alt - im Gefängnis als wütenden Protest gegen Willkür und Unfreiheit. Wie bei seinen Räubern müsste auch hier in Tyrannos stehen. Mario Eick schürft tief. Getreu nach Schillers psychologisch genauer Charakterdarstellung zeigt er die Widersprüchlichkeit des Menschen und sein Gefangensein in seinem sozialen Umfeld; zeigt anfangs die Schauspieler in glitzernden Glaskästen. Präsident von Walter ist ein verkommener, korrupter Gangster, aber auch ein liebender Vater. Ferdinand, sein Sohn, geriert sich trotz seiner noblen Standhaftigkeit zu seinem Liebchen Luise, als verwöhnter Fratz, der sich in unbeherrschten Wutausbrüchen gefällt und erst spät zu menschlicher Größe kommt. Beide wurden großartig gestaltet und gespielt von Boris Schumm und Bernhard Höfellner. Nick Mayer spielt den intriganten Wurm als verletzten, hilflos in seiner Bösartigkeit verstrickten Menschen. Erich Maier als Vater Miller duckt sich wehrlos vor der Staatsmacht. Johannes Schüchner macht aus Hofmarschall Kalb einen willfähige, dumpfe Hofschranzen. Schiller nimmt eine Engländerin als Mätresse: Ein kleiner Hieb gegen die deutsche Unterwürfigkeit. Annett Segerer spielt hinreißend die in fragil kostbaren Bewegungen sich räkelnde Lady Milford. Überzeugend gestaltet ist ihr tapferer Aufbruch ins Ungewisse als stolze Engländerin. Julia Mahlke war eine wunderbare Luise. Eick sieht sie als gescheites Mädchen, das ihre Verstrickung in diese unstandesgemäße Verbindung in aller Unschuld klar erkennt und sich mit großer Würde, aber auch gewitzt gegen die Lady und den Präsidenten zur Wehr setzt. Schiller hat in all seinen Dramen seine ethischen Grundsätze immer in Frauen verwirklicht. Das Stück - glücklicherweise ohne Pause - bekam zum Ende hin düstere Dichte und aufwühlenden Tiefgang. Ein großes Stück Theater ist Mario Eick da gelungen.
Weitere Aufführungen: Donnerstag, Freitag, Samstag und zusätzlich Sonntag jeweils 20 Uhr.
Eva Friedrich-Thoma im Burghauser Anzeiger am 06.10.2005

 

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Gegen Devotismus und Unterdrückung

Theater des Grauens überzeugt mit Schillers Kabale und Liebe

Burghausen. Mit der Tragödie Kabale und Liebe von Friedrich Schiller anlässlich des 200.Todesjahres ist Mario Eick ein großer Wurf gelungen. Mit wenigen kleinen Veränderungen zieht er das Stück textgetreu durch. Die Zustände in den Herzogtümern waren im 18. Jahrhundert geprägt von despotischer Willkür, unterwürfigem Hofschranzentum, Mätressenwirtschaft und Unterdrückung der unteren Stände, die in der Tatsache gipfelten, dass die Söhne des Landes zur Deckung der Schulden zwangsweise nach Amerika verkauft wurden. Die französische Revolution 1789 mit ihrem Ruf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für alle Menschen hatte den Fürsten Angst gemacht. Umso stärker war die Unterdrückung jeglichen Aufmuckens. Schiller schrieb dieses Stück 1783 - gerade 24 Jahre alt - im Gefängnis als wütenden Protest gegen Willkür und Unfreiheit. Wie bei seinen Räubern müsste auch hier in Tyrannos stehen. Mario Eick schürft tief. Getreu nach Schillers psychologisch genauer Charakterdarstellung zeigt er die Widersprüchlichkeit des Menschen und sein Gefangensein in seinem sozialen Umfeld; zeigt anfangs die Schauspieler in glitzernden Glaskästen. Präsident von Walter ist ein verkommener, korrupter Gangster, aber auch ein liebender Vater. Ferdinand, sein Sohn, geriert sich trotz seiner noblen Standhaftigkeit zu seinem Liebchen Luise, als verwöhnter Fratz, der sich in unbeherrschten Wutausbrüchen gefällt und erst spät zu menschlicher Größe kommt. Beide wurden großartig gestaltet und gespielt von Boris Schumm und Bernhard Höfellner. Nick Mayer spielt den intriganten Wurm als verletzten, hilflos in seiner Bösartigkeit verstrickten Menschen. Erich Maier als Vater Miller duckt sich wehrlos vor der Staatsmacht. Johannes Schüchner macht aus Hofmarschall Kalb einen willfähige, dumpfe Hofschranzen. Schiller nimmt eine Engländerin als Mätresse: Ein kleiner Hieb gegen die deutsche Unterwürfigkeit. Annett Segerer spielt hinreißend die in fragil kostbaren Bewegungen sich räkelnde Lady Milford. Überzeugend gestaltet ist ihr tapferer Aufbruch ins Ungewisse als stolze Engländerin. Julia Mahlke war eine wunderbare Luise. Eick sieht sie als gescheites Mädchen, das ihre Verstrickung in diese unstandesgemäße Verbindung in aller Unschuld klar erkennt und sich mit großer Würde, aber auch gewitzt gegen die Lady und den Präsidenten zur Wehr setzt. Schiller hat in all seinen Dramen seine ethischen Grundsätze immer in Frauen verwirklicht. Das Stück - glücklicherweise ohne Pause - bekam zum Ende hin düstere Dichte und aufwühlenden Tiefgang. Ein großes Stück Theater ist Mario Eick da gelungen.
Weitere Aufführungen: Donnerstag, Freitag, Samstag und zusätzlich Sonntag jeweils 20 Uhr.

Eva Friedrich-Thoma im Burghauser Anzeiger am 06.10.2005