olgas raum

Theaterstück von Dea Loher

es spielen: theresa hanich, nadine konietzny, erich maier und martina ofenmacher
regie: oliver vilzmann

 

   
 termine:
16.10.08 premiere
23.-26.10.08
30.+31.10.08
olgas raum
  Olgas Raum

 

 

Die widersprüchlichen Aspekte in der Beziehung zwischen Täter und Opfer, die Ambivalenz von Gut und Böse: OLGAS RAUM basiert auf der Lebensgeschichte der deutsch-jüdischen Kommunistin Olga Benario, die 1936 in Brasilien verhaftet, nach Deutschland ausgeliefert und sechs Jahre später im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet wurde. "Olgas Raum" ist sowohl ihre Gefängniszelle als auch ein Ort der Erinnerung, an dem sie sich die Stationen ihres Lebens vergegenwärtigt. "Eine brisante Auseinandersetzung um die Frage, was Menschen dazu bringt, anderen Menschen Gewalt anzutun." (Die Welt)olgaueber das stueck und die autorin:„olga“ ist Olga Benario, kommunistische Freiheitskämpferin, werdende Mutter und Geliebte. Vom brasilianischen Militärregime an die Nazis ausgeliefert fristet sie ihren Lebensrest in ihrem „raum“, ihrer Gefängniszelle im KZ Ravensbrück. Spendet Trost und Halt für ihre Mitgefangenen, die 17jährige Genny und die Schauspielerin Ana. Bis ihr Aufseher, der ehemalige Rebellenkommandant Müller ein Spiel beginnt, an dessen Ende Wahnsinn, Angst und Tod stehen.„olgas raum“ ist trotz des realpolitischen Hintergrunds kein politisches Stück. Es ist ein Stück über Hoffnung und Verzweiflung, über Moral und Perversion, über Helden und Monster. Darüber, wie nah all das beieinander liegt. Ein dichtes, verstörendes Stück mit einer kraftvollen Sprache zwischen Derbheit und Poesie.
Dea Loher, geboren 1964 in Traunstein, Dramatikerin und Prosaautorin, lebt und arbeitet in Berlin. Die ehemalige Schülerin Heiner Müllers und „Nachwuchsdramatikerin des Jahres“ 1993/94 erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Mühlheimer Dramatikerpreis und den Bertolt-Brecht-Literaturpreis. Sie zählt zu den meist gespielten und produktivsten deutschen Theaterautorinnen, deren Stücke an grossen deutschen Häusern wie dem Thalia-Theater Hamburg, den Münchner Kammerspielen oder dem Cabaret des Grauens gezeigt werden. Sie publiziert beim Verlag der Autoren, Frankfurt am Main.

 

 

Presse

 

Olgas Raum

 

aus "Keule" - Schülerzeitung des Aventinus Gymnasiums, Burghausen„Dies ist mein… Raum“ –so beginnt das Theaterstück „Olgas Raum“,
von Dea Loher(*1964), das Ende Oktober 2008 im „Cabaret des Grauens“ in den Burghauser Grüben aufgeführt wurde. Es ist die erste Regiearbeit des Allround-Künstlertalents Oliver Vilzmann aus Burghausen.Nach langer Zeit fröhlich-skurril-bunter Stücke schlägt das „Cabaret des Grauens“ dabei sehr düstere Töne an, Themen wie Einsamkeit, Folter und die Frage, „was den Menschen dazu bringt, anderen Menschen Gewalt anzutun“ (Die Welt)
„Dies ist mein Raum“ -KZ Ravensbrück zur NS-Zeit: der „Raum“ ist die Zelle der kommunistischen Freiheitskämpferin Olga Benario (Nadine Konietzny) und ihrer Mitgefangenen Genny (Martina Ofenmacher).
Sie leiden unter dem Aufseher Filinto Müller (Erich Maier), der die beiden foltert, permanent terrorisiert und ihnen seine Perversionen aufs Drastischste schildert, gleichzeitig aber auch die starke Olga begehrt. Im Gespräch geht Olga Filintos Lust an Folter nach und deckt dessen dunkles Geheimnis auf, zusammen steigern sie sich in berauschende Fantasien der Gewalt ( „ich werde gut foltern(…) genießend…delikater rausch(…)“.Aus Olga, der Inhaftierten, wird dabei selbst potentielle Täterin, Filinto dagegen wandelt sich immer mehr zum Opfer seiner eigenen Grausamkeit, seine Vergangenheit holt ihn ein und die Realität knüppelt ihn nieder.
Die Ankunft der neuen Gefangenen Anna Libre (Theresa Hanich) bringt Dynamik und weitere Aggression in die um sich selbst kreisenden Protagonisten. Doch auch die Unbekannte muss sich Filinto nach Folter schließlich beugen, ihr Lebenswille zerbricht.
Die Situation in der Zelle steigert sich hin zum Wahnsinn, Olga wird abgeführt, das sowieso nur glimmende Licht erlischt und in vollkommene Dunkelheit spricht sie schmerzhaft gefasst ihre letzten Worte: “(…) ich atme. Ich atme tief ein. Ich atme Zyklon B. Ich atme das Gas tief in meine Lungen. Dies ist mein… Raum.“
Das „Cabaret des Grauens“ wirkt auf mich wie eine rotschwarze Magierhöhle im 20erJahre Stil, gleichzeitig Ort der Avantgarde, ein Ort der Verwirrung, eine andere Welt. Oliver Vilzmann als Oberzauberer schafft diese Atmosphäre mit wenig Aufwand: die Bühne ganz in schwarz, zwei Hocker, eine flimmernde Mattscheibe als einzige Lichtquelle und grausamer Zugang der Zuschauer zu Filintos Abgründen.
Olga starrt stumpfsinnig ins Helle, drückt an den Knöpfen, minutenlang in Stille, Genny wiegt sich abwesend hin und her, wie ein trauriges Kind ohne Tränen. Die vier Schauspieler spielen ihre Rollen beängstigend authentisch, Brutalität, Grausamkeit, Verzweiflung, Einsamkeit, Wahnsinn- eine ganze Bandbreite an Gefühlen, ihr Spiel geht hautnah, unter die Haut. Messerscharf setzen sie die Worte in die Stille, sie geben ihre Stimme ganz dieser weisen und wortgewaltigen Sprache hin: „Am Ende stirbt der Mensch an seiner Wahrheit. Weil er wahr ist, weil er war, weil er ist, Mensch.“ (aus dem Monolog V)
Alles zusammen bricht als gewaltige Woge von teuflischen Eindrücken wie ein Rausch über den Zuschauern zusammen, die sich in den Reihen in einem Meter Entfernung zu den Schauspielern nicht verstecken können vor den dramatischen Geschehnissen auf der Bühne. Zu Salzsäulen erstarrt verharren sie wie angenagelt auf ihren Stühlen in dieser kurzen Stunde und nehmen unwillkürlich selbst eine ganz verstörte Haltung ein. Und als das Licht wieder angeht, verlässt man nur zögerlich das Theater, in bedrückt-beeindruckter Stimmung.
Ein Kleinod, diese winzige Bühne hinter den verdunkelten Scheiben in den Grüben, und mehr als einen Besuch wert…für weitere Infos: www.cabaretdesgrauens.deF.D.

 

Bilder

 

 

 

 

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